Als bedeutende Zeugnisse der Wohnkultur werden Tapeten seit vielen Jahrzehnten gesammelt, gepflegt, präsentiert, dokumentiert und wissenschaftlich erschlossen – vor allem durch die Initiative der Tapetenfabrikanten selbst. Seit den 1920er Jahren setzt sich der Verein Deutsches Tapetenmuseum für die große Tapetensammlung und das Museum in Kassel ein.
Der Bestand umfasst inzwischen fast 23.000 Objekte und dokumentiert die Entwicklung der Tapetenbranche von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart. Zu den absoluten Prunkstücken zählen Goldlederarbeiten aus Renaissance, Barock und Rokoko sowie Flock- und Leinwandtapeten des 18. Jahrhunderts. Solche luxuriösen, aufwendigen Einzelstücke waren dem Adel vorbehalten.
Mit dem Einzug der seriell gedruckten Papiertapete im 18. Jahrhundert wurden Imitationen dieser Dekore auch für ein breiteres Publikum erschwinglich. Aus dieser Zeit enthält die Sammlung ebenfalls wertvolle Objekte - vom Buntpapierbogen über die frühen Tapetenrollen bis hin zu den ersten Motivtapeten sowie täuschend echten Seidenimitationen der Empire- und Biedermeierzeit. Besonders beeindruckend sind die handgedruckten französischen Panoramatapeten des 19. Jahrhunderts.
Zu den wegweisenden Objekten aus zeitgenössischen Tapetenkollektionen gehören beispielsweise bunt-psychedelische Designer-Tapeten aus den 70er Jahren oder auch pastellfarbene Blumendekor-Tapeten um 1950.